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25.02.2020
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Vergeltung

Thema: Wie Gott mir, so ich dir!


 

Leo Tolstoi erzählt unter dem Titel: „Versäumst du den Funken zu löschen, wirst du der Flamme nicht Herr!“ eine ergreifende Geschichte:

 

In einem russischen Dorf lagen zwei Bauernhöfe nebeneinander. Man kam gut miteinander aus, half einander, lieh einander, kurzum es herrschten gute nachbarliche Beziehung.

Der tragische Streit begann mit einem Ei:

die junge Frau des einen Hofes hatte ein Huhn, deren Eier sie schon für Ostern sammelte. Eines Tages hatte ein Kind das Huhn aufgescheucht und es war in Nachbars Garten geflogen. Abends fehlte nun das gewohnte Ei; es war anzunehmen, dass es auf dem Nachbarhof gelegt worden war. So fragte nun die junge Frau ihre Nachbarin nach dem Ei. Diese wusste von nichts und sagte unfreundlich: Wir haben es nicht nötig in fremden Höfen nach Eiern zu suchen.

 

Diese Bemerkung kränkte, ein Wort gab das andere und es kam zum Streit – schließlich auch zu einer Rauferei zwischen den Männern, bei welcher Iwan dem Gawrilo ein paar Barthaare ausriss.

Gawrilo verklagte den Nachbarn. Der alte Vater des Iwan war der einzige der zum Frieden mahnte: „Geht hin, bittet einander um Verzeihung, und der Streit ist zu Ende. Je mehr ihr aber Böses tut, desto schlechter wird es euch ergehen“.

Doch die Jungen schlagen den Rat es Alten in den Wind. Zur großen Freude der Anwälte werden um Kleinigkeiten riesige Prozesse geführt und der Groll nimmt immer mehr zu. So ging es sechs Jahre lang, doch die ganze Zeit über wurde Iwans Vater nicht müden, den Jungen ins Gewissen zu reden. Im siebten Jahr beschuldigte Iwans junge Frau, die schwanger war, Gawrilo des Pferdediebstahl. Dieser verprügelt sie. Bei einem Prozess wird Gawrilo zu zwanzig Rutenhieben verurteilt. Er stößt die Drohung aus, dass nicht nur sein Rücken, sondern auch etwas anderes brennen werde.

 

Einige Tage später erwischt Iwan den Gawrilo, wie er in seiner Scheune Feuer legt. Anstatt das Feuer sofort zu löschen, verfolgt er den Brandstiften und wird niedergeschlagen. Wie er wieder zu sich kommt brennt sein Hof lichterloh und die Flammen greifen auch auf den Nachbarhof über. Das halbe Dorf brennt in dieser Nacht ab.

 

In dieser Nacht liegt Iwans Vater auf dem Sterbebett. Vor seinem Tod stellt er noch einmal den Sohn zur Rede und fragt ihn, wer den Brand gelegt habe. Der Sohn klagt sofort den Nachbarn an, doch der sterbende Vater sagt noch einmal: „Meine letzte Sunde ist gekommen, aber auch du wirst einmal sterben müssen. Sag, wessen Stünde ist das? Sage mir vor Gott, wer die Schuld daran trägt! Habe ich dir nicht alles vorausgesagt?

 

Erst da kommt Iwan zur Besinnung. Er verspricht dem sterbenden Vater, den Nachbarn Gawrilo nicht anzuzeigen. So kehrt wieder Friede ein. Iwans Zorn verraucht, Gawrilo wundert sich, dass er nicht angezeigt wird. Das Dorf wird wieder aufgebaut und beide werden wieder gute Nachbarn.

 

So weit die Geschichte von Leo Tolstoi. Weil der Sinn dieser Erzählung zeitlos ist, können wir sie leicht auf unsere Situation und Zeit übertragen. Jeder Konflikt beginnt im Kleinen, vielleicht in einem zornigen und unbedachten Wort und es kann sehr schnell ein schlimmer Krieg entstehen. In den Familien z. B. bei Erbstreitigkeiten oder zwischen Ländern. Von daher ist es auch ein Gebot der Vernunft, den Streit zu vermeiden und jede Eskalation zu verhindern.

 

Der Herr Jesus Christus mahnt ja auch in der Bergpredigt den Ausgleich zu suchen und hier in unserem Text in Matthäus 18 eröffnet sich noch eine ganz andere Dimension.

 

Wir werden dann am Schluss des Gottesdienstes das Vaterunser beten. In dem Gebet, dass der Herr seinen Jüngern gelehrt hat, steht eine ganz gefährliche Bitte – eine gefährliche Situation für unser Seelenheil. Das soll uns heute einmal ganz ernsthaft bewusst werden.

„Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern“.

 

In unserem Bibelabschnitt den wir vorhin gehört haben, spricht Petrus: Wie oft muss ich vergeben- reicht es siebenmal? Er bekommt die Antwort 7 mal 70 mal – also immer, wenn der andere um Vergebung bittet.

 

Leo Tolstoi hat mit seiner Geschichte zu unserem Bibeltext deutlich gemacht, wie leicht ein Teufelskreis daraus entsteht, wenn man nicht nachsehen und vergeben kann. Doch der Weg zu Gott führt über den Nächsten. Nächstenliebe oder gar Feindesliebe sind ohne Vergebung niemals möglich.

Aber weil Gott uns vergibt, können auch wir vergeben. Sicher, wer vergibt, der vergibt sich etwas dabei. Das ist richtig! Aber was hat sich nicht Gott alles vergeben, als er uns vergeben hat? Immerhin hat seine Vergebung unserer Schuld Jesus, den Sohn Gottes, an das Kreuz gebracht.

 

Persönliches Christsein fängt mit der Erkenntnis an, dass ich von der Gnade Gottes lebe: von Seinem Erbarmen mit mir, von seiner Vergebung, die mir in Jesus geschenkt wird. Wir leben davon, dass Gott – obwohl er es nicht müsste – uns alle unsere Schuld vergibt, uns freispricht, uns begnadigt, dass er uns nicht anklagt, sondern uns frei ausgehen lässt. Als Jesus am Kreuz ausrief. „Es ist vollbracht!, da hat er deine und meine Schuld bezahlt und uns damit gerecht gesprochen. Zu Gott kommt keiner von uns durch seine eigene Gerechtigkeit, sondern wir sind als Christen allesamt – begnadigte Sünder und Versager.

 

Luther predigt über diesen Text:

Wir denken immer, es sei zuviel, Gott werde nicht so gnädig sein, dass er uns alles sollte nachlassen es müsse dennoch auch etwas bezahlt werden, es sei zuviel, dass man uns alles ganz und gar nachlassen und schenken sollte. Es ist auch wahr, wer Vergebung seiner Sünden mit Herzen bekehrt, der muss am wenigsten den Vorsatz haben, er wolle der Schuld nicht mehr machen, dass ist, er wolle von Sünden ablassen und sich bessern und hinfort frömmer werden. Denn in Sünden fortfahren und davon nicht wollen ablassen, und dennoch um Vergebung der Sünden bitten, dass heißt unseres Herrn Gottes spotten.-….

Was aber das Mittel sei, dadurch uns Gott will gnädig sein, zeigt das Evangelium an anderen Orten an, nämlich, dass der Sohn Gottes, unser lieber Herr Christus Jesus sich der Sündern angenommen, ihre Sünde auf sich geladen und mit seinem Tod dafür bezahlt hat. Wo nun solches Vertrauen an den Herrn Christum und seinen Tod, da hat man Gott das Herz abgewonnen, dass er nicht zürnen noch strafen kann.

So weit Luther.

 

In dem Gleichnis vom Schalksknecht macht uns Jesus Christus aber auch deutlich:

Indem der Mensch die winzig kleine Schuld ( 100 Denare) des anderen Mitknechten nicht erlässt, obwohl er eine unendlich große Schuld (60 Millionen Denare) aus unverdienter Gnade erlassen bekommen hat, verleugnet er diese Gnade Gottes, auf die sein Leben aufgebaut ist – und wird darum schrecklicherweise diese Gnade wieder verlieren!

 

Wie leben wir als christliche Gemeinde? Wir werden immer wieder schuldig aneinander. Wie gehen wir damit um?

 

Luther predigt über diesen Text: „ In der christlichen Kirche hier auf Erden, sofern du nicht ein sonderliches Amt hast, da Gott dich das Unrecht strafen heißt, soll es also getan sein, dass immer einer dem anderen vergeben, und keiner sich rechnen, sondern alle Barmherzigkeit und Freundlichkeit seinem Nächsten erzeigen soll, wo er es Bedarf, ob er gleich um uns wohl anderes verdient, und wir, der Welt nach zu reden, gute Ursache hätten ihm alles Übel zuzufügen….

 

Wie soll es denn sein? Sollen wir wie Hunde und Katzen untereinander uns beißen und kratzen? O nein, sondern so soll es sein, dass wir von Herzen vergeben, und bedenken: Was wollt ich meinen Bruder strafen? Ist mir Gott gnädig und hat mir so eine große Summe frei, umsonst, um Jesu Christi seines Sohnes, willen, nachgelassen: was wollte ich mich um einen Pfennig oder zwei ärgern. Ich will eines gegen das andere abrechnen, vergessen und vergeben, und Gott danken, dass er mir auch vergeben und mich aus Gnaden angenommen hat, da er doch tausend und abertausend Mal mehr Ursache hätte gehabt, mit mir zu zürnen und mich zu strafen, denn ich wieder meinen Nächsten habe.